Männerfotografie – was macht sie so anders?

Männerportrait mit Wirkung

Kann Männerfotografie eine Leidenschaft sein? Ich behaupte: „Ja, das kann sie“! Männer in der Fotografie authentisch zu inszenieren und festzuhalten, ist ganz einfach. Doch Vorsicht, die Facetten, die Charaktere sind sehr verschieden und es sind nicht immer die „harten Kerle“ in maskulinen Posen und Outfits. 

Männerportrait, Schwarzweiß
Schwarzweiß -Männer Portraitfotografie

Ganz kurzer Blick in die Geschichte der Männerfotografie – August Sander – vor fast 100 Jahren so aktuell wie heute

August Sander, der sich unter die Begründer des Dokumentarstils eingeschrieben hat, hinterließ mit der Serie „Menschen des 20. Jahrhunderts“  ein eindrucksvolles Werk. Mit den einfachen Mitteln der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts schuf er eindrucksvolle Männerportraits. Sander verstand es, Menschen in ihrem Kontext abzubilden und mit Hilfe von Licht und Schatten die persönlichen Merkmale der Menschen herauszustellen. Seine Männerportraits zeigen Menschen in ihrer Zeit und in ihrem sozialen Umfeld, sie demonstrieren den Status der Person in jedweder Hinsicht. Der Beruf und sein Umfeld spielen dabei eine besondere Rolle. So entstanden hunderte von Portraits. Jedes für sich bestimmt ein einzigartiges Bild, doch die Vielzahl der Abbildungen macht eines klar: im Grunde sind alle Menschen gleich – und das unabhängig von ihrem sozialen Status.

Was spüren Männer beim Anblick des eigenen Antlitzes?

Die Männer, die ich zum ersten Mal fotografieren durfte, reagierten immer überrascht, wenn sie die ersten Bilder von sich sahen. Einige waren sehr emotional und sahen sich schöner, als sie dachten, andere waren wegen ihrer Intimität und Verletzlichkeit beunruhigt.Wieder anderen überraschte der Blick auf das eigene Gesicht und löste Unsicherheit aus.

Warum lassen sich Männer fotografieren?

Die Männer, die bewusst und zielgerichtet einen Fotografen für Portraitfotos anfragen, haben immer eine Motivation. An erster Stelle darf ich hier den Begriff „Businessfotos“ nennen. Ich soll Männer in ihrer Arbeitswelt ablichten, egal ob Manager oder Handwerker, sie suchen den Weg zum Profi. Position beziehen, klare Kante zeigen – das ist die häufigste Botschaft solcher Bilder. 

Bei jungen Männern ist der Wunsch nach einer Modelkarriere keine Seltenheit mehr. Ehrgeizig, eitel und ausdauernd verfolgen sie ihre gesetzten Ziele. Male-Models (Männermodels) haben meist genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen. Sie können auch einen professionellen Fotografen herausfordern!

Eine andere Motivationskategorie sind die „Lonesomewolves“. Diese Gruppe gliedert sich in echte Einsiedler fortgeschrittener Altersgruppe und in diejenigen, die eigentlich auf der Suche nach einer Partnerin sind.

Erstere findet man auf Instagram – ein Selfie nach dem anderen postend, erstarren sie dort in der Selbstdarstellung mit fast immer gleichen Bildern. „Selfmademen“, die alles selber machen – auch das eigene Portraitfoto. Okay – ich klinge überheblich, soll nicht wieder vorkommen.

Die, die auf der Suche sind, kommen nach einem mehr oder weniger lang geduldig ertragenen Leidensweg zum Fotografen. Sie werden aktiv und nehmen das Schicksal selbst in die Hand. 

Damit ist die Liste der Motivationen für einen Mann sich fotografieren zu lassen sicher noch nicht abgeschlossen. Wem noch weitere einfallen, darf hier gerne davon berichten.

Der verbleibende Anteil der Männer, die fotografiert werden, kommt an der Hand der Partnerin zu mir. Bei einem Paarshooting entstehen manchmal Einzelportraits von Männern auf Wunsch ihrer Partnerin. Und manches Mal ist das die Initialzündung für weitere Bilder – eine neue Leidenschaft nimmt ihren Lauf.

Männerfotografie Blende2Null Michael Kampmann
Männerfotografie ist anders

Ausdrucksstarke Männerfotos 

Natürlich geht Männer fotografieren genauso wie Frauen fotografieren. Um jedoch ein ausdrucksstarkes Männerportrait hinzubekommen, benutze ich meistens eine andere Lichtführung. Ich benutze ein hartes Licht und harte Schatten. Konturen, Hautporen, manchmal sogar Narben und Bartstoppeln sollen hervortreten und unbedingt sichtbar sein. Da bringen dunkle Augenhöhlen und Wangenknochen viele Variationsmöglichkeiten. Als maskulines Highlight gilt immer noch der Bart. Bart ist übrigens in!

Zum Männerportrait gehört meist auch der Blitz. Ein harter Blitz von vorne und ein Gegenlicht (Zangenlicht) von hinten – aber nicht übertreiben! Ebenso ein markantes Seitenlicht. Außerdem schließe ich die Blende soweit, dass beide Augen scharf sind. Ich finde, dass diese Einstellung besser zum Männerbild passt.

Menschen fotografieren ist immer subjektiv! Es liegt im Auge des Betrachters…

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