Warum ich schwarz-weiß -Fotografien liebe?

Portraitfotografie Braunfels

Schwarz-Weiß-Portraits selber machen, das war mein Ziel seitdem ich meine erste Kamera erwarb. Mit den Schwarz-Weiß-Fotografien fing alles an. Unablässig von Neugier getrieben, gelang es erstmals um 1820 so etwas wie eine Fotografie herzustellen. In den Köpfen jener Zeit geisterte die Vorstellung, realistische Abbilder ihrer Welt, ihrer Zeit und der Menschen herzustellen. Kaum vorstellbar für heutige Verhältnisse. Spiegelreflexkamera, Smartphonecam sind vielfältige Möglichkeiten und werden massenhaft von jedermann genutzt, um realistische Bilder herzustellen. Der Beginn war reduziert auf das Wesentliche, Farbe fehlte gänzlich. Bis heute ist die Schwarz-Weiß-Fotografie in vielen Teilbereichen aktuell und hat an Bedeutung nichts eingebüßt. Schwarz -Weiß-Bilder fesseln den Blick, erzählen ganz eigene Geschichten. Natürlich ist immer das Motiv entscheidend für die Wirkung der Fotografie, ganz gleich ob in Farbe oder schwarz-weiß. Schwarz-Weiß-Bilder entfalten immer eine ganz eigene Wirkung. Will man diese Wirkung beschreiben, muss ich nach Worten dafür suchen.

Für mich bewirken Schwarz-Weiß-Bilder immer einen ganz besonderen Realismus. Ich werde plötzlich in eine Handlung hineingezogen, bin Teilnehmer einer Situation. Selbst bei einem Portrait entsteht diese Wirkung und hält mich fest in ihrem Bann. Mein erster Versuch, dies auch in gedruckter Form zu Ausdruck zu bringen gelang mit „Geschenkte Zeit„, einem Magazin im Selbstverlag.

Wie wirken Schwarz-Weiß-Bilder?

Licht und Schatten, Linien, Formen, Strukturen, Kompositionen und Kontraste werden gezielt fokussiert.  Objekte, Gesichter, Augen vermitteln Botschaften und vermitteln eine Assoziation, –  augenblicklich. Je länger ich hinschaue, je mehr Details fallen mir auf. Je reduzierter, je weniger Objekte abgebildet sind, um so klarer die Geschichte.  Besonders die Portraits von Demir spiegeln dies wieder. Es kommt nicht mehr auf Tiefenschärfe an, nicht mehr Klarheit, der Ausdruck hat die Regie übernommen und betont das Bild.

Licht und Schatten

Schwarz-Weiß-Bilder müssen vor allem starke Hell-Dunkel-Kontraste besitzen, um aufzufallen und den Blick zu bannen, da Farbbilder unseren Blick viel stärker anziehen. Es kommt also vor allem auf das Licht und den Schatten an. Die Wirkung von Licht und Schatten ist bei Schwarz-Weiß-Bildern viel stärker. Je nach Lichtverhältnissen werden unterschiedliche Kontraste erzeugt. Wenn ich – wie meistens – draußen fotografiere, spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Besonders schlechte Wetterverhältnisse sind eine super Voraussetzung für Schwarz- Weiß-Fotografien, die Monate von November bis Februar bieten dazu beste Voraussetzungen, obwohl ich zugeben muss: ein Outdoor-Modelshooting gerade zu dieser Zeit kann schon tricky sein. Außentemperaturen und rote Nasen können dem Ganzen schnell ein Ende bereiten.

Menschen in schwarz-weiß

Die Fotografien, die ich in meiner Kindheit in der elterlichen Wohnung fand, waren Schwarz-Weiß-Fotografien. Bilder von Menschen, die ich nicht kannte, abgebildet neben meinen Eltern oder einem Elternteil. Auch manches Portaitfoto war darunter. Ich weis noch, dass ich mir besonders diese Bilder immer wieder ansah. Diese Schwarz-Weiß-Bilder besaßen eine große Wirkung auf mich. Emotionen sind in schwarz-weiß viel deutlicher zu erkennen. Der Blick des Betrachters fällt bei einem Portrait immer zuerst auf die Augen. Im Gegensatz zu einer lebendigen Person kann ich das gesamte Gesicht genauesten analysieren, ich muss nicht fürchten angesprochen zu werden. Ich kann mich danach auf das ganze Bild konzentrieren und nicht nur auf die grellste Farbe. Deshalb wirkt ein Schwarz-Weiß-Foto oft echter, als in Farbe.

Wie ich Schwarz-Weiß -Bilder mache

Schwarz-Weiß-Portraits selber machen zu Zeiten der Analog Kameras war das ganz einfach; Du hattest die Wahl zwischen Farbfilm oder Schwarz-Weiß-Film – fertig. Heute, da alles möglich ist, wahrscheinlich sogar gleichzeitig, muss ich irgendwann eine Entscheidung treffen. „Ich stelle mir beim Fotografieren vor, wie das Bild in s/w wirkt und überlege dann, wie das Bild besser wirken könnte…hmmmm. Solche Erklärungen habe ich mir öfter angehört und mich anschließend gefragt, wann ich endlich auf den Auslöser drücken kann – sonst ist der Moment weg. Darum mache ich es anders!

Was letztlich zählt, ist der Gesamtbildeindruck. Bei vielen Portraitshootings stelle ich meine Kamera auf monochrom ein. Die aufgenommene Bilddatei wird zwar in s/w auf dem Display gezeigt aber beim Import nach Lightroom (LR) natürlich wieder in Farbe dargestellt. Beim Shooting erhalte ich jedoch schon die richtigen Informationen. Häufig sehen die gleichen Portraits später in Farbe ganz anders aus. Der Ausdruck ist nichtssagend und flach. 

Bei der Bildbearbeitung in LR oder PS (Photoshop) gerate ich öfter in Situationen, mich für eine Variante in s/w oder Farbe entscheiden zu müssen, besonders wenn das Bild sowohl in s/w als auch in Farbe seine Wirkung zeigt. 

Es ließen sich jetzt bestimmt noch alle möglichen Aspekte beschreiben, die für eine Auswahl als s/w-Portrait oder Farbportrait dienlich sein könnten. Eigentlich kann so etwas niemand besser als Du selbst entscheiden. Es kommt auf die Wirkung des Bildes an. Spricht sie Dich an, kommt das zum Ausdruck, was Du nicht in Worte fassen kannst? Auf was soll sich der Blick des Betrachters richten?  Wirkt Farbe zu überladen oder ablenkend vom Hauptmotiv? Wandern Deine Augen rastlos, weil sie keinen festen Punkt finden und das Bild nur „Grautöne“ aufweist? Du bist der Regiesseur und musst den Weg finden. Programme wie LR oder PS unterstützen Dich dabei. Eine wichtige Voraussetzung bei der Arbeit mit s/w-Bildern ist die Aufnahmequalität. Um alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können, musst Du den Aufnahmemodus auf RAW wählen. 

Die Kunst besteht dann nur noch darin, ein Portrait zum Leben zu erwecken. Versucht es einmal, doch eines sei gesagt: Meister fallen nicht vom Himmel und darum heißt es üben, üben, üben. Dabei wünsche ich Euch jetzt viel Spaß dabei, Schwarz-Weiß-Portraits selber zu machen.

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